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Christliche Wirklichkeit

Was bedeuten die hebräischen Ausdrücke in Ex 31,17 und Jes 40,28? Warum Gottes Ruhe am siebten Tag keine körperliche Müdigkeit bedeutet.

Eine Ruhe, die Gottes würdig ist?

Wird Gott jemals müde?

James Patrick Holding

Jes 40,28 Weißt du es nicht? Hast du es nicht gehört? Der Herr ist der ewige Gott, der Schöpfer der Enden der Erde. Er wird nicht müde und nicht matt.

Das scheint völlig klar zu sein, doch Skeptiker bringen dennoch einige Einwände vor. Zunächst ist auf die Wörter zu achten: Der Ausdruck „matt werden” entspricht dem hebräischen ya'aph, während „müde werden” dem Wort yaga entspricht. Betrachten wir daher die folgende Stelle:

Ex 31,17 Das sei ein Zeichen auf ewig zwischen mir und den Israeliten. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, am siebten Tag aber hörte er auf zu wirken und atmete auf.

Bedeutet das, dass Gott Ruhe brauchte? Nein. Das mit „hörte auf zu wirken” übersetzte Verb bedeutet einfach, dass er sein Wirken einstellte, also aufhörte zu tun, was er bis dahin getan hatte.

Das hebräische Wort shabath wird gebraucht, wenn etwas aufhört oder ausbleibt, aber auch im Sinn des Feierns (vgl. Lev 2,13; 23,32; einen ähnlichen Sinn hat der griechische Ausdruck in Hebr 4,4). Der mit „atmete auf” übersetzte Ausdruck bedeutet wörtlich „er atmete durch”. Dieses Wort kommt im Alten Testament nur dreimal vor: einmal für Menschen, die am Sabbat ruhen (Ex 23,12), und einmal in 2 Sam 16,14, wo der König und das Volk, das bei ihm war, erschöpft ankommen und dort ausruhen.

Bedeutet es, dass jemand Schlaf braucht? Nur wenn der Kontext es verlangt, wie im letztgenannten Beispiel.

Das Wort selbst verweist eher auf ein Gefühl der Zufriedenheit, vergleichbar der Erleichterung, die frische Luft schenkt, was gut zum siebten Tag passt. In Gen 1,31 betrachtet Gott alles, was er gemacht hat, und befindet, dass es sehr gut ist. Läge der Nachdruck wirklich auf der Müdigkeit, wäre das Wort ravach passender gewesen, in der Bedeutung „frei atmen”.

Jes 1,14 Eure Neumonde und Feste hasse ich aus ganzer Seele; sie sind mir zur Last geworden, ich kann sie nicht mehr ertragen!

Selbst ohne zusätzliche Erklärung lässt sich daraus kaum schließen, Gott sei körperlich müde gewesen. Das bestätigt auch das verwendete Wort: la'ah, das hier Überdruss und Abscheu bezeichnet. Dasselbe Wort erscheint auch in Jer 15,6. Anspruchsvoller ist das folgende Beispiel:

Jes 43,24 Du hast mir für Geld kein Gewürzrohr gekauft und mich nicht mit dem Fett deiner Opfer gesättigt; doch mit deinen Sünden hast du mich geplagt, mit deinen Vergehen mir Mühe gemacht.

Hier erscheint das Wort yaga, doch die Aussage ist poetisch und nicht so, wie die Skeptiker vermuten.

Der Vers ist das Gegenstück zu den Worten aus Jes 43,23: Israel hat Gott seine Schafe nicht als Brandopfer dargebracht und ihn nicht mit Schlachtopfern geehrt, und Gott hat es weder mit Gaben belastet noch mit Weihrauch ermüdet. In Jes 43,24 folgt eine rhetorische Übertreibung. Der Sinn ist: Gottes Forderungen haben das Volk nicht erschöpft; im Gegenteil, Gott antwortet ihnen mit spürbarem Sarkasmus: „Nein, ihr habt mich mit euren Sünden ermüdet.”

Das ist eine kraftvolle Anklage, gerade im Licht der Aussage aus Jes 40,28, dass Gott tatsächlich nicht müde wird. Der Text spricht nicht von Gottes körperlicher Erschöpfung, sondern drückt in menschlicher Sprache seine Verurteilung der beharrlichen Sünde aus.

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